Anne Simone Kiesiel

Die 2019 verstorbene Malerin Joyce Pensato schälte die dunklen Seiten aus der US-amerikanischen Popkultur. Nun sind ihre gar nicht so fröhlichen Comicwesen in der Sammlung Falckenberg in Hamburg zu sehen – und wirken wie Propheten unserer Gegenwart

Mickey Mouse schält sich aus Schichten von Kohlestaub oder aus flüssig wirkender, glänzender Farbe. Schwarz tropft über weißen Grund, weiße Schlieren ziehen sich über schwarze Flächen. Aus den Farbspritzern und groben Pinselstrichen formen sich Donald Duck, „Die Simpsons“ oder clownartige Gesichter. 

Die US-amerikanische Künstlerin Joyce Pensato, geboren 1941 in Brooklyn, New York, ist als Vertreterin einer brachialen gestischen Malerei bekannt, die sich mit grotesken und satirischen Untertönen der Welt des „American Dream“ widmet. In Zeichentrickfiguren erfährt er eine schizophrene visuelle Form. Die Deichtorhallen zeigen an ihrem Standort Sammlung Falckenberg, einem ehemaligen Industriegebäude in Hamburg-Harburg, auf zwei Etagen die erste institutionelle Einzelausstellung in Europa seit dem Tod der Künstlerin im Jahr 2019.

Die mit verspielt-heiterer Leichtigkeit assoziierten Cartooncharaktere besetzen im Œuvre von Joyce Pensato einen atmosphärisch verdichteten Raum. Schwarz und Weiß sind tonangebend, selten mischen sich dezente bunte Akzente ins Bild. Trotz – oder gerade wegen – dieser Reduktion der Palette wirkt die Ausstellung nicht eintönig. Denn in der mit großer Geste kraftvoll aufgetragenen Farbe liegt eine inhaltliche Vielschichtigkeit, die genau diesen eng gesteckten formalen Rahmen braucht, um in ihrer Wucht nicht überhandzunehmen. 

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